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Rolling Stone #202 – zu haben

Im Rolling Stone scheint es im August nur um Vergangenheit zu gehen.

Rolling Stone #202

Die beiliegende CD enthält zehn Shoegaze/Dreampop Songs aus den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Dabei sind u.a. Galaxie 500, The Pains Of Being Pure At Heart, Mercury Rev und Múm.

U2 bekommen eine längere Story zur Entstehung ihres Albums “Achtung Baby” von 1991. Davon soll ein Reissue erscheinen. Alles klar, warum eine Geschichte darum gebaut wird.

Weil U2 Anfang der 90er in Berlin aufnahmen, Hansa Studios klar, bietet sich das Thema Mauer an, dachte sich die Redaktion wohl. Der Bau jährt sich passenderweise im August auch zum fünfzigsten Mal. So können die üblichen Verdächtigen der Westberliner siebziger und achtziger Jahre wieder erscheinen. David Bowie, Iggy Pop, Blixa Bargeld. Auch Dimitri Hegemann bekommt seinen Auftritt. Mark Reeder, Gründer des MFS Labels, hat laut Rolling Stone den Punk in den Osten gebracht. Sorry, jetzt wird`s langsam peinlich. Kaum noch auszuhalten ist das Heft folgend mit der Betrachtung der DDR Musikszene unter der Artikelüberschrift “I.M. Rock”. Wer wird hier beschrieben vom Autor Joachim Hentschel? Wieder einmal die Klaus Renft Combo und die Puhdys. Pankow und Karussell gesellen sich hinzu. Das war`s. Sorry Rolling Stone, aber hier wird zu deutlich in welchem Verlagshaus du erscheinst. Die Musikszene von knapp dreißig Jahren in der DDR auf eine Staatssicherheitsunterwanderung zu reduzieren, zeugt entweder von Einfalt und Nichtwissen oder bewußter Themensetzung.

Wahrscheinlich braucht`s eine Gazette wie den Stone auch so garnicht für wirklich aktuelle Entwicklungen. Geschichtsklitterungen sind auch anderswo zu haben. Dafür benötigt es keinen Popanstrich. Warten wir mal noch die nächste Ausgabe ab. Heute spricht viel für ein Verlassen des Kapitaldrucksortiments.

Dieser Text ist nicht verkaufsfördernd, darüber bin ich mir bewusst.

2 Kommentare

  1. Das würde ich nicht sagen. Mir ist so ein Text lieber als das Loben über den grünen Klee.

  2. Ist etwas gut, kann das Lob dafür gern in die Welt. Aber mit dieser RS-Ausgabe wurde mir nochmal deutlich, was für ein Altherrenrockermagazin jeden Monat an den Start gebracht wird. Konservatismus wird hier abgeleitet von Konserve. Also Totgekochtes für eine lange Zeit haltbar gemacht.