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Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

Text: © Francis Hunger (www.irmielin.org):

Ich erinnere mich an Fenstervergitterungen in meiner Kindheit, die gleichzeitig die Strahlen einer aufgehenden Sonne darstellten. Ein Bild, welches unter anderem auch auf das FDJ-Emblem mit seinen stilisierten Sonnenstrahlen verweist. Dass ausgerechnet Sonnenstrahlen zur Absperrung dienen, ist trauriges Sinnbild für die Eingitterung einer Utopie, welche sich zum Ziel gemacht hatte, dass kein
Mensch ein geknechtetes Wesen sein möge.

als Taschenbuch: Eugen Ruge – In Zeiten des abnehmenden Lichts

Mit dem Verblassen der Utopie beschäftigt sich Eugen Ruges entsprechend benannter Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“. Immer wieder um ein Ereignis kreisend – eine Geburtstagsfeier im Oktober 1989, kurz vor dem Mauerfall – nimmt der Roman in verschiedenen Erzählsträngen die Geschichten der Geburtstagsgäste auf.

So treffen Erfahrungen kommunistischer Sowjet-Emigranten in Stalins Gulag, die als Antifaschisten im postfaschistischen Deutschland die DDR aufbauen, aufeinander mit dem teils tristen Lebens-Alltag der DDR, bis hin zur Republikflucht eines der Protagonisten. Spannend ist der Roman, jenseits vereinfachender Klischees kenntnis- und detailreich geschrieben.

Notgedrungen bleibt er jedoch an der psychischen Oberfläche seiner Protagonisten, denn allzu viele Figuren werden eingeführt und in den Erzählsträngen miteinander verwoben, als dass man einer einzelnen Figur in ihrer Komplexität folgen könnte, sich vielleicht sogar mit einem Protagonisten identifizieren könnte – vielleicht wollte der Autor genau das vermeiden.

Wer sich die Komplexität des Scheiterns der sozialistischen Utopie in der DDR in Romanform vor Augen führen möchte, und zwar nicht nur als Feststellung, sondern auch als Frage, kann getrost zu diesem Buch greifen.

Taschenbuch: 9,99 €
Geschenkbuch: 12,00 €
gebundene Ausgabe: 19,95 €

 

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